PS2 Retro Review

Juiced auf Playstation 2

15.03.2015

Juiced ist ein Rennspiel von 2005. Ihr rast mit lizensierten Karossen über abgesteckte Strecken in der Stadt Angel City, es gibt keinen Gegenverkehr; an den Rändern der Strecken stehen Zuschauer. Hier habt ihr es also nicht mit einem Spiel zu tun, was euch illegale Rennen fahren lässt, sondern vielmehr mit einem Spiel, was die Rennaction zwar auf Straßen einer Stadt austragen lässt, und wetten auf Rennfahrer zulässt, allerdings offenbar alles in einem legalen Rahmen.

Das Spiel verfügt über einen Karrieremodus, einen Arcademodus, Mehrspielermodi und sogar einen Online-Modus. Letzterer wird heute nicht mehr sinnvoll nutzbar sein, da Sony die Server für die PS2-Online-Funktionalität offline genommen hat. Den Mehrspielermodus habe ich nicht getestet, da leider niemand mit mir Juiced spielen wollte. Der Arcade-Modus besteht aus einer Reihe von Rennserien, die ihr abschließen könnt und dadurch offenbar neue Rennen oder Autos für den Benutzerdefinierte-Rennen-Modus freischaltet. Es gibt 11 Serien. Die ersten haben jeweils 5 Rennen, die ihr abschließen müsst. Zunächst stehen euch nur 4 Rennen offen, die ihr gewinnen müsst, um das letzte freizuschalten und um die nächste Serie freizuschalten. Wenn ihr das auch noch gewinnt, habt ihr die Serie geschafft. Mit dem Modus kann man sicherlich eine Menge Spaß haben, aber die richtige Action liegt wohl im Karriere-Modus.

Der Karriere-Modus beginnt mit einem Einführungsrennen. Ihr bekommt von T.K., dem Chef der Crew "Urbon Maulers" ein Auto gestellt. Für Schäden am Auto müsst ihr bezahlen. Außerdem bietet er euch zu Beginn des Rennens eine Wette an. Die Wetten im Spiel sind so gestrickt, dass ihr vor dem Gegner im Ziel sein müsst, um die Kohle einzustreichen. Schafft ihr das nicht, ist euer Wetteinsatz verloren. Angebotene Wetten könnt ihr erhöhen, annehmen, verringern oder gänzlich ablehnen. Je nachdem wie ihr euch entscheidet sinkt oder steigt euer Respekt beim Gegenüber. Das Respektsystem ist im Spiel eines der zentralen Komponenten.

Das erste Rennen beginnt. Das Spiel spielt sich im Prinzip wie jedes andere Rennspiel. Ihr beschleunigt mit X, bremst mit Viereck, Handbremse ist auf Kreis. Hoch- und Runterschalten liegt auf R2 und L2. R1 ist Nitro, L1 zeigt euch eine Ansicht nach hinten. Mir gefällt sehr, dass sich jedes Auto anders steuern lässt - einige kommen besser um Kurven, andere weniger gut. Ich persönlich habe in meiner Karriere nur Vorderradantriebe oder 4WD-Autos verwendet. Ich hatte mir kurzzeitig einen Mustang gekauft, mit Hinterradantrieb, fand den aber völlig unsteuerbar, daher habe ich mich schnell von dem Auto verabschiedet. Gewinnt ihr das erste Rennen, erhaltet ihr natürlich eine Siegprämie und die Wette, die ihr mit T.K. abgeschlossen habt. Außerdem verdient ihr Respekt. Nun müsst ihr euch ein eigenes Auto aussuchen. Der Händler hat nur drei oder vier Autos zur Auswahl. Mir gefällt, dass einige Autos gebraucht vorrätig sind und damit günstiger zu haben sind, und andere Neu. Leider gibt es nicht die Möglichkeit die Liste irgendwie zu sortieren, oder zu filtern. Es gibt auch keine Autos die sowohl gebraucht als auch neu vorliegen.

Nehmt euch ein Auto und schon kann es los gehen. Ihr könnt in euer ausgewähltes Auto nun zunächst Leistungsupgrades einbauen, wichtig wäre da zuallererst Nitro. Beachtet beim Tunen, dass euer Auto eine bestimmte Klasse hat. Zunächst habt ihr nur das Auto der Klasse 8 und könnt damit keine Rennen fahren, die bessere Autos benötigen. Allerdings ist es möglich durch Tuning eurem Auto so viele PS zu geben, dass es in die Klasse 7 rutscht. Das passiert bei 200 PS. Dann könnt ihr mit dem Auto keine Klasse 8-Rennen mehr fahren, dh. ihr braucht dann ein neues Auto für die Klasse 8. Beachtet beim Tunen auch, dass ihr noch Geld übrig haben solltet, im Fall ihr verliert mehrere Rennen. Nach einem Rennen müsst ihr euer Auto nämlich reparieren, und das beläuft sich gerne auf 500 Dollar oder später auch deutlich mehr. Solltet ihr die Angewohnheit haben im Vollgas gegen Wände zu fahren, kann das auch sehr schnell deutlich teurer werden. Außerdem gibt es genügend Rennen, die ein Startgeld verlangen um überhaupt teilnehmen zu können. In den ersten Monaten des Spiels wird das nicht der Fall sein, später aber kommen immer häufiger Rennen, die Startgeld voraussetzen, zunächst 1000 Dollar, später auch deutlich mehr.

Ihr solltet also lieber nicht verlieren oder immer genug Geld zur Verfügung haben. Die Rennen an sich sind in einem Kalender angeordnet. Grün markiert sind Rennen, bei denen ihr teilnehmen dürft, gelb sind Rennen, wo euch ein Wagen fehlt, rot sind Rennen, bei denen ihr nicht teilnehmen könnt - bspw. weil ihr beim Veranstalter nicht genügend Respekt habt. Wenn an einem Tag kein Event stattfindet, könnt ihr auch eigene Events veranstalten. Zunächst könnt ihr nur in eurem Territorium (also auf der offiziellen Rennstrecke) Rennen veranstalten, das kostet 1000 Dollar. Viel Auswahl habt ihr da nicht, aber ihr könnt quasi jede Art von Event veranstalten und sogar Teamgrößen festlegen.

In Juiced gibt es vier Renntypen: normale Rundenrennen, Sprints (in Need for Speed würde man dazu Drag sagen), von A nach B-Rennen (in NfS: Sprint) und Angeber-Events. Im Rundkursrennen fahrt ihr einfach Runden und wer zuerst über die Linie ist gewinnt. Von A nach B-Rennen beginnen und enden an unterschiedlichen Orten, wer zuerst am Ziel ist, gewinnt. Sprints sind in drei Läufe eingeteilt. Ihr müsst manuell schalten. Die Strecken sind oftmals sehr kurz, dennoch solltet ihr darauf achten - gerade bei den längeren Strecken - dass ihr ein Auto mit hoher Höchstgeschwindigkeit verwendet. Ihr müsst optimal schalten - was gar nicht mal so einfach ist. Nicht nur wird euch nicht angezeigt, wo genau der perfekte Punkt dafür ist, sondern dieser Punkt ist auch noch für jedes Auto wo anders. In Angeber-Events müsst ihr Tricks ausführen, dh. Driften, Donut-Stunts, Bootlegs, J-Turns,... Und nichts davon habe ich konsistent hinbekommen. Bei Drifts braucht man die Handbremse, zieht man die aber, reist das Auto sonstwohin, bei einem Aufprall gegen eine Wand, geht euer Kombo-Multiplikator verloren - und das passiert mir ständig. Angeber-Events sind die Art von Rennen, die ich einfach übersprungen habe. Bei Rundkursen und Von A nach B-Rennen gibt es auch Events, wo jede Crew zwei oder drei Fahrer starten lässt. Die Gesamtanzahl Fahrer ist auf 6 begrenzt, aber nicht bei allen Rennen nehmen wirklich 6 Fahrer teil.

Kommen wir zum Respekt. Es gibt 8 Crews in Angel City. Mit dem guten Ergebnissen in Rennen, mit guten Wetten, mit einem guten Fuhrpark, etc. (siehe Wikipedia) erhaltet ihr bei einigen von den Crewchefs Respekt. Nur wenn ihr Respekt ansammelt könnt ihr Rennen der jeweiligen Crew fahren - und seht damit auch mal andere Stadtteile, oder ihr könnt nur zuschauen oder ihr könnt sogar Veranstaltungen auf deren Gebiet fahren. Wenn ihr ein Duell gegen einen Crewchef arrangiert, dann setzt ihr euer Auto. Dh. verliert ihr das Rennen, dann seid ihr euer Auto los, gewinnt ihr, habt ihr das Auto, mit dem der Gegner gefahren ist, in eurer Garage stehen. Die Gegner haben offenbar einen unbegrenzten Vorrat an Karossen. Nur wenn ihr Duelle gegen andere Crewchefs fahrt, erhaltet ihr übrigens Respekt vom letzten Crewchef. Ob das Spiel irgendeine Art Ende hat, kann ich nicht sagen, ich habe viele Rennen gefahren, und kann keine echte Story entdecken, außer dass ihr eure Crew aufbauen wollt.

Ab und an werdet ihr von neuen Fahrern angerufen, die bei eurer Crew mitmachen wollen. Diese Fahrer haben eine Talent-Anzeige und eine Fassung. Ich nehme an Fassung bedeutet sowas wie Ruhe, Gelassenheit. Nun habt ihr die Möglichkeit Rennen entweder selbst zu fahren oder ein (oder mehrere) Crewmitglied(er) fahren zu lassen. Lasst ihr ein Mitglied fahren, habt ihr keine echte Kontrolle darüber, wie er oder sie fährt. Ihr habt lediglich die Möglichkeit eine Art Agressivität einzustellen. Ihr könnt dem Fahrer während des Rennens mitteilen, ob er Vollgas fahren soll, oder eher ruhiger. Das hat den Hintergrund, dass die Fahrer bei Vollgas das ganze Nitro quasi sofort verballern, und über die Zeit angespannter werden und anfälliger für Fahrfehler werden. Das solltet ihr vermeiden, und daher den Fahrer nicht das gesamte Rennen auf hoher Stufe fahren lassen. Ist ein Gegner vor euch, könnt ihr ihn auch unter Druck setzen und zu Fehlern zwingen, indem ihr euren Fahrer auf hoher Stufe fahren lasst. So wird das Spiel zu einer Art Strategiespiel.

Allerdings fahren eure Crewmitglieder fast immer grottig. Sie fahren hinter Gegnern her, anstelle sie einfach zu überholen, wenn sich für mich selbst die Gelegenheit geboten hätte. Außerdem verursachen eure Fahrer gerne Schäden an anderen Autos, die ihr zwar nicht mit Geld, dafür aber mit Respekt der entsprechenden Crew bezahlen müsst. Außerdem sind die KI-Fahrer nicht unbedingt ausgelegt darauf, wenn sie gedreht werden. Rückwärtsgang ist etwas, was die KI nur schwer begreifen will. Hat die KI ein Rennen abgeschlossen (egal ob gewonnen oder nicht) erhöht sich das Fahrtalent des Fahrers. Außerdem schaltet ihr, wenn euer Wagen noch nicht komplett aufgebaut ist, weitere Teile für euer aktuelles Auto frei - also weitere Leistungsupgrades.

Fahrt ihr ein Rennen selbst, so könnt ihr gegen andere Fahrer wetten. Setzt dabei am Besten so viel Geld, wie ihr verkraften könnt, wenn ihr das Geld verliert. Außerdem solltet ihr euch einen gegnerischen Fahrer aussuchen, der weniger PS hat als ihr. Wenn ihr nicht mitfahren wollt - also gar nicht. Nicht mal eure KI-Fahrer, dann könnt ihr bei einem Rennen auch nur zuschauen und darauf wetten, dass ein bestimmter Fahrer erster im Rennen wird. Es werden euch jeweils Quoten angezeigt, wie viel Geld ihr gewinnt, wenn genau dieser Fahrer gewinnt. Ihr könnt auch auf mehrere Fahrer wetten.

Ein großes Problem ist das Menü im Spiel selbst - das Rennfahren ist sehr solide, und macht sehr viel Spaß, auch wenn ihr nicht selbst fahrt, sondern nur indirekt eurer KI Anweisungen gebt. Das Menü allerdings ist schon bemerkenswert. Habt ihr bspw. ein Event ausgewählt und wollt nur mal schauen, was das für eine Strecke ist, und dann mit Dreieck wieder zurück, lässt euch das Spiel nicht. Ihr müsst das Event komplett abbrechen, und habt damit auch keine Chance mehr das Event später zu fahren. Das Spiel lässt euch auswählen, wer von eurer Crew fährt und in welchem Auto und zeigt dann an, gegen welche Autos ihr fahrt. Aber dort kommt ihr bereits nicht mehr zurück zur Auswahl, wer fährt. Auch hier lässt euch das Spiel maximal das Event abbrechen, womit ihr die Chance verliert am Rennen teilzunehmen.

Außerdem werden bestimmte Informationen vor euch versteckt. Bspw. beim Händler wäre es gut, wenn man einfach die Liste durchgehen könnt und schauen könnt, wie viel PS ein Auto hat, oder wie teuer ein Auto ist. Allerdings müsst ihr dazu ein Auto auswählen, also eine Weile drüber bleiben, damit das Automodell geladen wird, und oben rechts als 3D-Ansicht angezeigt werden kann. Erst dann wird auch eingeblendet, wie teuer das Auto ist. Bei einer großen Liste, ist das sehr störend. Auch die Werkstatt ist etwas mies, bspw. habt ihr den Menüpunkt Tuning und den Menüpunkt Modifizieren. Unter Tuning könnt ihr vordefinierte Pakete in euer Auto bauen. Ihr könnt sogar tunen, und sagen, dass euer Auto in einer bestimmten Klasse bleiben soll. Bei Modifizieren macht ihr alles selbst, könnt Einzelteile kaufen, könnt sogar PS-Zahlen etc. selbst einstellen (bis zu einem gewissen Grad). Leider sind die Symbole am unteren Bildschirmrand schlecht sichtbar wodurch es schwer wird, genau das zu finden, was man eigentlich gerade tunen wollte.

Juiced ist grafisch für PS2-Verhältnisse ein recht ansehnliches Spiel. Die Autos sind recht detailreich und sehen wunderbar aus. Es gibt Reflexionen der Welt im Lack der Autos, es gibt Schatten von Autos. Die Sonnenreflexe gefallen mir auch sehr. Sehr sehr gut hat mir gefallen, dass es im Spiel ein echtes Schadensmodell gibt, so hängen Stoßstangen herunter oder sehen zerdrückt aus. Einen Totalschaden hatte ich nie, kann also nicht sagen, ob das überhaupt möglich ist. Was allerdings möglich ist, sind Nitro Lecks, dh. ihr fahrt irgendwo dagegen und dann läuft euer Nitro aus. Das Schadensmodell hat mir gefallen, die Nitro Lecks eher weniger. Die Umgebungen sind im Gegensatz zu den Autos etwas detailarm und wirken eher gleichgültig. Nichtsdestotrotz sieht Juiced gut aus. Der Soundtrack passt - finde ich - nicht zu einem Rennspiel. Die Motorensounds und Sprachausgabe der Crewchefs geht in Ordnung.

Bewertung:
Empfohlen
Empfohlen
Text von 15.03.2015
Fazit:
Das Rennspiel Juiced ist ein sehr gutes Spiel, gefallen haben mir die grafischen Details und das Schadensmodell sowie die Vielseitigkeit des Spiels. Selbst wenn ihr gerade keine Lust habt, selbst zu fahren, könnt ihr das Spiel spielen, und einfach auf Gegner wetten oder eure KI-Kameraden fahren lassen. Es gibt so viel zu tun, und das Spiel unterhält deswegen auch sehr sehr lange. Ich habe mich aber über die teilweise recht miese KI der Gegner aufgeregt und über die schlechte und undurchdachte Menüstruktur. Da hätten die Entwickler deutlich mehr zeigen müssen. Juiced ist ein sehr gutes Spiel, für alle Rennspielfans. Allerdings muss man sich in das Spiel erst reinfuchsen.