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Steam Greenlight vs. Direct - Was Valve tun sollte

Sorry, there is no translated version of this text in English

Valve hat angekündigt den Dienst Steam Greenlight einzustellen zu Gunsten von einem Steam Direct Service, der Spiele nach einer kurzen automatischen Prüfung auf die Plattform lassen wird. Einige Youtube, bspw. auch Jim Sterling, wettern nun darüber, dass Valve das automatisiert machen will und keine Menschen die Spiele testen lässt. Lieber Jim: Was soll Valve denn bitte machen? Wie du immer anführst, sind rund 40% der gesamten Spiele auf Steam im Jahr 2016 erschienen, das sind übrigens laut SteamSpy [1] 4895 Spiele.

4895 Spiele. Wir rechnen mal kurz. Im Jahr 2016 sind pro Tag also etwa 13,75 Spiele auf Steam erschienen. Dabei sind aber nur die wirklich veröffentlichten Spiele eingerechnet, nicht die, die von Greenlight abgelehnt worden sind, aus dem ein oder anderen Grund. D.h. jemand müsste an jedem Tag 13,75, also sagen wir mal 14 Spiele testen. Was soll derjenige denn testen? Da würde mir einiges einfallen, was derjenige testen könnte, damit Steam nicht komplett vollgemüllt wird:

  • Das Spiel sollte funktionieren. Spiele, die keine Binaries haben, oder auf 9 von 10 PCs nicht gehen, sollten nicht aufgenommen werden.
  • Das Spiel sollte Quälität aufweisen. Das Spiel sollte steuerbar sein, sollte den PC nicht zu einem Plasmaball verwandeln und dann auf dem stärksten Rechner nur einige Frames rausquetschen können.
  • Das Spiel sollte potentiell unterhaltsam sein. Spiele, die niemandem Spaß machen, braucht Steam doch sicher nicht, oder?
  • Das Spiel sollte eine bestimmte Länge aufweisen.
  • Das Spiel sollte nicht zu schwer, nicht zu einfach sein.
  • Das Spiel sollte sich selbst erklären, wenn es das braucht. In einem Rätsel-Adventure mag das nicht nötig sein, ein Action-Egoshooter sollte aber tunlichst vermeiden nicht spielbar zu sein für Spieler anderer Shooter.
Die Liste ist sicher nicht abschließend, aber das könnten doch einige Aspekte sein, die von Valve getestet werden könnten um auszuschließen, absolute Vollgurken zu erhalten. Ich picke mir jetzt die einzelnen Punkte heraus und zeige, warum es nicht möglich ist, weder mit viel Geld noch Liebe, dass Valve die Spiele testet, die sie da erhalten.

Das Spiel sollte funktionieren
. Simpel. Man nehme ein Python-Skript, lade die Spiele vom Server herunter, starte sie auf X verschiedenen PCs und Betriebssystemen und schaue ob sie eine Weile laufen können - d.h. nicht abstürzen. Mehr geht schon fast nicht automatisiert. Sicherlich ist klar, dass kein Computer der Welt entscheiden kann, ob das Spiel gerade in einem Menü ist, dann Menüpunkte zu klicken, und zu schauen, ob das Spiel dabei abstürzt - naja. Einem Menschen zuzumuten 14 Spiele am Tage an X PCs und Systemen zu testen, das wird Steam nicht tun, weil der Backlog immer größer wird. Valve will mit der Verkaufsplattform Geld verdienen, das wisst ihr ne?

Die Performanz sollte stimmen
. Man könnte Entwicklern abverlangen mit einem Kommandozeilenparameter einen Debug-Modus zu aktivieren, sodass Valve automatisiert Performance messen kann, also messen kann, wie viele Frames das Spiel pro Sekunde über den Bildschirm bekommt. Daran werden sich einige nicht halten und das lässt den Entwicklern natürlich auch richtig viel Spielraum für Tricksereien. Einen Menschen einzustellen, der die Performance des Spiels testet, wäre halt noch mehr Aufwand für die ohnehin schon überlastete Testabteilung (von oben).

Der ganze Rest
ist quasi nicht automatisiert erkennbar. Zwar könnte Valve auch dafür Leute einstellen, aber gerade der Punkt mit "eine bestimmte Länge aufweisen" dürfte knifflig werden. Wenn die Tester 4 Stunden spielen müssen, damit das Spiel "eine bestimmte Länge aufweist"... knifflig.

Rechnen wir mal kurz zusammen. Ich nehme an, dass ein Mensch pro Spiel etwa 2 Stunden an einem PC spielen soll um sich einen Kurzeindruck zu machen. Dann benötigt er noch 2 weitere Stunden um das Spiel an anderen PCs und anderen Betriebssystem(versionen) zu testen. D.h. ein Arbeitstag von 8 Stunden wäre mit 2 Spielen gefüllt. Nehmen wir an, dass jeden Tag 14 Spiele eingestellt werden, dann müsste Valve 7 Menschen dafür einstellen nichts anderes zu tun als Spiele zu testen. Zwar sind da auch Spiele dabei, die ohnehin durchgelassen werden, weil sie von renommierten Entwicklern stammen, aber es sind auch genügend Spiele nicht eingerechnet, die es aktuell nicht mal durch Greenlight schaffen. Nehmen wir an, dass diese Leute einen Stundenlohn von 15 Euro erhalten, dann wären wir pro Tag bei Ausgaben von 840 Euro - das sind rein die Lohnkosten, nicht mal eingerechnet des Arbeitgeberanteils (ich weiß nicht wie das in den USA geregelt ist).

Pro Monat mit 30 Tagen (wir haben oben ohne Wochenende gerechnet!) wären das übrigens schon 25.200 Euro. Klar, Valve ist ein riesengroßes Unternehmen, sieben Leute mehr machen da auch nichts mehr aus, oder? Naja. Steam soll für Valve Geld abwerfen. Wenn Valve da jetzt eine Spieletestabteilung aufbauen soll, die, ohne dass die eigentlichen Nutzer das merken sollen, die Spiele testen um zu entscheiden, was auf Steam kommt, und welche Vollgurke besser nicht, dann wäre das wohl eine Resourcenverschwendung. Ich würde das nicht machen, denn davon habe ich ja nichts. Ob es sich lohnt ein Spiel zu kaufen, soll sich der Nutzer gefälligst von einem Youtuber da draußen wie Jim Sterling oder von einem Videospielmagazin erklären lassen.

Was Valve tatsächlich tun sollte
. Wir haben gerade gesehen, dass es für Valve nicht praktikabel ist, jedenfalls nach obigem Modell, eine Spieletestabteilung aufzubauen. Was sollte Valve dann tun? Zum Einen könnte Valve mit einer Gebühr für Spieleeinsendungen die Kosten jedenfalls teilweise wieder reinholen, dann würden aber gerade Indy-Spiele benachteiligt und Spiele von großen und bekannten Entwicklern würden bevorzugt, weil die ohne diese Gebühr auskommen, die Publisher respektive Entwickler könnten sich die aber leicht leisten.

Wie wäre es damit, dass Valve Spiele auf Steam bringt, und die Nutzer eine Report-Funktion haben? Dann hätten zwar immer noch genügend Spieler Rotz gekauft, aber die könnten weitere Spieler davor bewahren. Die Userreviews sollten ja eigentlich genau das sein. Aber leider denkt Valve das Konzept eben nicht zuende. Eingeführt und dann vergessen.

Machen wir uns nichts vor. Steam ist zu groß um mit Manneskraft zusammengehalten zu werden. Steam braucht unbedingt Automatismen um die Menge an Spieleveröffentlichungen überhaupt in den Griff zu bekommen. Jeder, der etwas anderes fordert hat Kapitalismus nicht verstanden. Steam könnte natürlich einen Prozess für alle neuen Spiele einführen oder aber auch für (neue) Entwicklerstudios, die von Menschen geprüft werden. Dann wird sich aber Steam im Ganzen verändern. Nicht nur, dass die Preise anziehen werden und Sales nicht mehr ganz so weit nach unten gehen werden, sondern Valve wird sich die Kosten von irgendwoanders herholen. Seien es die Indy-Studios, denen es dann vielleicht zu teuer ist auf Steam gelistet zu werden. Machen wir uns auch nichts vor - die Konkurrenz steht in den Startlöchern: Origin, Uplay. Sicher freuen die sich auch sehr über neue Spiele für ihre Plattform, dann wahrscheinlich zu besseren Konditionen als das neue Steam.

Valve muss etwas machen. Aber manuelle Prüfung sollte nicht oben auf der Prioritätenliste stehen.

[1] SteamSpy

Written by naums on 17.02.2017

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